Montag, 29. Dezember 2014

2014: Meine Lieblingsalben

So, Ladies und Gentlemen, ihr könnt euch vorstellen, dass ich diesen Post gerade in meinem Sonntagsanzug verfasse und die zugehörige Flasche Schampus schon auf Eis liegt: Es geht um meine 30 liebsten Langspielplatten des gesamten Jahres 2014. Wie viel das ist, merkt man daran, dass es wieder 12 Monate gedauert hat, um diese Liste voll zu bekommen und dass ich mich daran in den letzten Wochen fast kaputt gedoktert hätte. Ist diese Platte jetzt wirklich besser als die einen Platz darunter? Fehlen eventuell noch Kandidaten? Habe ich mir das auch wirklich oft genug angehört? Und ist dieser erste Platz wirklich gerechtfertigt? Jetzt ist ein für alle Mal Schluss damit. Denn jetzt präsentiere ich diese Liste euch und hoffe, dass sie euch einigermaßen gefällt. Es war ein tolles Jahr für mich und ich möchte mich bei allen bedanken, die gelesen, geliked, kommentiert haben und so weiter. Nächstes Jahr hoffentlich wieder.


30. FJØRT
D'Accord
This Charming Man









Was für eine Freude, dass diese Top 30 ausgerechnet von einer deutschen Metalcore-Band eröffnet wird. Zu viel Schmach haben Callejon und Kollegen in den letzten Jahren in die Szene gebracht, in der spielerische Abenteuerlust Mangelware geworden ist und Hools und Skater sich tummeln. Fjørt sehen sich da eher als Punks, denen vieles gegen den Strich geht, was sie in ihren Texten auch deutlich zum Ausdruck bringen. Da geht es auch mal gegen die eigenen Fans und die Verzerrung des Szene-Gedankens. Musikalisch wird das durch die Einbeziehung von Shoegaze und Postrock-Elementen deutlich, die im Heavy Metal ja momentan der neuste Schrei sind. Damit wird D'Accord ein optimaler Ausgangspunkt für eine der mutigsten neuen Bands Deutschlands.

Das beste daran: Die Deafheaven-Gedächnis-Gitarren in Valhalla.
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29. ANGEL OLSEN
Burn Your Fire for No Witness
Jagjaguwar









Akustik-Folk kann ja jeder. Das dachte sich im Februar auch die frisch mit einem Deal bei Jagjaguwar ausgestattete Angel Olsen und tauschte ihre Gitarre gegen eine Backing-Band und einen Verstärker. Mit einer gut betuchten Plattenfirma im Rücken kann man sich solche Späße ja leisten. Und siehe an, der neue Country-Rockröhren-Anstrich stand dem einstigen Mauerblümchen überraschend gut. Ihre großartige Stimme legt Olsen hier über Songs mit Garagenromantik-Flair und lässt sich von zahlreichen Extra-Instrumentalisten unter die Arme greifen. Und nebenbei entstehen auch noch vertraute akustische Momente. Ein gewangter Schritt in den großen Teich.

Das beste daran: Die Idee, mit Unfucktheworld das Gegenteil eines Punk-Songs zu schreiben.
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28. CLIPPING
CLPPNG
Sub Pop









Ich kann gar nicht genug betonen, was für ein wichtiger Schritt dieses Album für Clipping als Band war. Nachdem sie auf dem Debüt Midcity noch hoffnungslos im Avantgarde-Sumpf dümpelten, merzen sie hier durch die großzügige Einbindung von Pop-Elementen bei gleichzeitigem Festhalten an alten Parametern alles wieder aus. Die Kalifornier schreiben große Pop-Rap-Songs mit Radioweckern, verwenden Autotune als Stimmverzerrer und samplen Ambient-Stücke. Nebenbei ist CLPPNG auch eine Verbeugung an die Emanzipation der Frau im HipHop (Work Work) und ein eindrucksvolles Gangsta-Rap-Dokument (Summertime). Und auch wenn sich mit Tonight ein furchtbarer Song eingeschlichen hat, trübt das wohl kaum den Status, den sich Clipping mit diesem Album erarbeitet haben.

Das beste daran: der Radiowecker-Refrain in Get Up.
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27. MAECKES
Zwei
Chimperator Productions









Vielleicht das Album, das im Vergleich zu meiner anfänglichen Erwartungshaltung am besten ausgefallen ist. Maeckes war als Mitglied der Spaß-Rapper die Orsons nicht wirklich der erste Kandidat, wenn man an intelligenten politischen HipHop denkt. Aber so kann man sich irren. Mit schlagenden Argumenten und kunstvoller Wortführung wettert der Stuttgarter hier gegen Kulturimperialismus, Kapitalismus und Dschungelcamp-Entertainment. Doch nicht als Macht-kaputt-was-euch-kaputt-macht-Pseudo-Revolutionär, sondern als Opfer der eigenen Gartenzwergisierung und sachlicher Beobachter. Noch entspannter als er sind dabei nur seine Beats, die dank spärlicher Dosierung minimalistisch bis ambient wirken und Platz für etwas lassen, das man durchaus Kunst nennen kann. Da kann die komplette deutsche Rap-Szene sich mal ein paar Scheiben abschneiden.

Das beste daran: Dass Maeckes mit Edgar Wasser gleich das nächste Highlight frei Haus liefert.
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26. THOM YORKE
Tomorrow's Modern Boxes
-









Die Kontroverse um Yorkes Filesharing-Skandal hat in dieser Top 30 bitte nichts zu suchen, hier geht es einzig um die Musik des neuen Albums, das meiner Meinung nach das bisher beste des Radiohead-Frontmanns ist. Seine traditionell tektonischen Beats erweitert der Künstler hier um noch mehr echte Instrumente als vorher und bringt damit auch einen Hauch von Wärme in seine Songs, der ihnen bisher gefehlt hat. Sentimental wird er deswegen noch lange nicht, die Klangfarben von Tomorrow's Modern Boxes bleiben dunkelgrau bis schwarz und die Texte sind ebenfalls alles andere als heiter. Als Tropfen auf den heißen Stein kann man die Platte aber sehen und wer weiß, vielleicht gibt es ja irgendwann auch mal einen optimistischen Thom Yorke. Bis dahin reicht uns der griesgrämige aber aus.

Das beste daran: das echte Klavier in the Mother Lode, der wärmste Moment des Albums.
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25. SUNN O))) & ULVER
Terrestrials
Southern Lord









Die Frage ist: Hätte es einen Weg gegeben, Sunn O))) dieses Jahr zu ignorieren? Diejenigen, die wie ich seine Kollaboration mir Scott Walker nicht mochten, konnten sich Wahlweise dieses Album oder das umfangreiche Bonusmaterial aussuchen, um die jährliche Dosis der Drone-Legenden zu bekommen. Mein Favorit ist eindeutig diese Platte mit Ulver, die das höllische Gedröhne von ersteren mit dem geschickten Ambient-Händchen der anderen verbindet und damit eine kreative Symbiose sondersgleichen darstellt. Denn neben epischen Sound-Monumenten kommen hier auch ein paar ziemlich gute Melodien bei rum, nicht zuletzt durch ein immenses Aufgebot an Instrumentarium. Wer dieses Jahr an hymnischem Krach noch zu kurz gekommen ist, dem kann ich Terrestrials nur ein weiteres Mal ans Herz legen.

Das beste daran: Die Trompeten, die Let There Be Light erst richtig spannend machen.
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24. GOAT
Commune
Rocket Recordings









Wenn Retro Schnelligkeit wäre, hätte Commune von seinem Veröffentlichungstermin im September bis jetzt schon mehrfach die Schallmauer durchbrochen. Ich bin ja sonst niemand, der Authentizität als besonders wichtiges Kriterium für eine Platte ansieht, aber Goat schaffen es, dass ich baff bin. Ihr Album klingt wie der Spuk einer psychedelischen Krautrock-Esoterik-Band aus den späten Sechzigern ohne Plus X oder irgendwelchen Schabernack. Das, was die Schweden aber unter allen anderen Vintage-Acts auszeichnet ist, dass sie ihren täuschend echten Sound nicht als Entschuldigung für mieses Songwriting oder mangelnde Strukturierung benutzen. Denn auch das findet man hier überall. Und so wäre Commune auch ein tolles Album, wenn es kein bisschen retro wäre. Aber mit ist in diesem Fall schon schöner. Auch wenn das die Ausnahme bleiben sollte.

Das beste daran: die ersten Takte der Gitarre in Talk to God.
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23. DIE NERVEN
Fun
This Charming Man









Nicht überall, wo Fun draufsteht ist auch Fun drin. Bestes Beispiel: das dritte Album der Nerven. Eine so deprimierte, verzweifelte und lebensmüde Platte habe ich dieses Jahr selten gehört. Und selten hat sie mich so berührt wie im Fall dieser Stuttgarter. Intelligenter Postpunk mit Botschaft ist das Markenzeichen der Songs hier, die wesentlich ausformulierter und kreativer klingen als noch die beiden Vorgänger. Dass die Nerven im Herzen dabei immer noch eine Punkband geblieben sind, ist umso beeindruckender. Mit Songs wie Angst und Nie wieder scheitern haben sich die Drei jungen Musiker aber auch darüber hinaus entwickelt und mittlerweile sogar bei Leuten wie Tocotronic ordentlich Eindruck geschindet. Vom begeisterten Feuilleton ganz zu schweigen. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte? Sehr gerne.

Das beste daran: Das komplett hoffnungslose Finale von Nie wieder scheitern.
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22. DAMON ALBARN
Everyday Robots
Parlophone









Es ist ein Neubeginn in der Diskografie des Damon Albarn: das erste richtige Soloalbum. Nach seinen zwei Hauptbands Blur und Gorillaz ist Everyday Robots das dritte Albarn-Projekt, dem etwas mehr als der Hauch eines flinken Zeitvertreibs anhaftet. Ein sehr persönliches Album hat das Multitalent hier zustande gebracht, das von seiner Vergangenheit und dem Leben an sich handelt. Nebenbei kommt auch die Angst vor einer technokratischen Zukunft zum tragen, doch die ist nur Stilfigur für Songs, die sich hauptsächlich um den Künstler selbst drehen. Das gab es von ihm in diesem Maße noch nie. Und das lässt auch das Songwriting spüren: Selten haben wir so melancholische, triste Melodien von ihm gehört, die so viel mehr Intimität zulassen. Eine der größten Kunstfiguren der modernen Indiemusik lässt die Hüllen fallen: faszinierend.

Das beste daran: Das entzückende Klavier, das Hostiles veredelt.
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21. WOLVES IN THE THRONE ROOM
Celestite
Artemisia









Wer dieses Jahr Electronica mal außerhalb des üblichen Gebrauchs hören wollte, der war mit Wolves in the Throne Room sicherlich am besten bedient. Die Weaver-Brüder kennen das Aufeinanderschichten von Sounds zu epischen Melodiebögen schon vom Metal, jetzt machen sie es eben mit Keyboards. Dabei ist Celestite kein zaghaftes Ambient-Album, sondern hat das Zeug zum ausgewachsenen Fantasy-Soundtrack, zu dem sich riesige Fabelwesen in die Lüfte erheben und Sternenschiffe durchs Weltall gleiten. Die Grundidee haben sie dabei von den Elektro-Pionieren der Siebziger geklaut, doch ihre Interpretation dieses Sounds klingt so viel geräumiger und detaillierter, dass man sie als Metal-Band nur wenig vermisst. Und auch wenn das für viele ein Verlust ist, von mir aus können Wolves in the Throne Room weiter Weltraum-Musik machen.

Das beste daran: Wie zierlich Bridge of Leaves am Anfang ist und wie schnell es danach größer wird.
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20. THANTIFAXATH
Sacred White Noise
Dark Descent









Dass ich mir in diesem Jahr mehr Platten von diesem Format gewünscht hätte, habe ich schon deutlich zum Ausdruck gebracht. Umso schöner ist es aber, dass es überhaupt eine großartige "richtige" Metal-Platte 2014 gibt. Die Amerikaner von Thantifaxtath suchen sich für ihr Debüt nur die finstersten Ecken aus und durchfluten diese dann mit ihren flächigen, groß angelegten Black-Metal-Riffs. Dass dann hier und da auch ein paar Dur-Akkorde durchblitzen, macht sie da fast schon progressiv. Abgesehen davon ist Sacred White Noise jedoch ein durch und durch dunkelschwarzes Produkt aus den tiefsten Tiefen der menschlichen Seele. Das klassische Black Metal-Prozedere eben. Kann man in einem so leistungsschwachen Jahr mehr als sonst gebrauchen.

Das beste daran: Das Finale Furioso im Closer Lost in Static Between Worlds.
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19. MOTORPSYCHO
Behind the Sun
Stickman









Sie tun es wieder. Motorpsycho sind auch nach 25 Jahren Existenz einfach nicht aufzuhalten. Nachdem sie zuletzt auf Still Life with Eggplant etwas schwächelten, sind sie hier in alter Frische und mit doppeltem Elan zurück. Behind the Sun ist nach langer Zeit mal wieder ein poppigeres Album, wobei es auch hier mit dreiteiligen Prog-Epen und Songs weit über fünf Minuten wieder an die Substanz geht. Dieser Mix macht die neue Platte zum vielleicht repräsentativsten Werk ihrer Geschichte, was bei so einem mordsmäßigen Repertoire echt nicht einfach ist. Dass die Norweger auch 2014 noch genau so relevant für die Musikwelt sind wie in den Neunzigern steht nach dieser Platte zumindest außer Frage.

Das beste daran: Das Orchestrale Song-Drittel Swiss Cheese Mountain, sechster Teil des Hell-Opus.
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18. BENT KNEE
Shiny Eyed Babies
-









Auch wenn es hier nur Platz 18 geworden ist, gab es dieses Jahr nur wenige Platten, die so groß klangen wie Shiny Eyed Babies von Bent Knee. Mit eigenem Streichquartett und einer Sängerin, die kein Organ wie Freddy Mercury besitzt, ist das auch kein Problem. Dieses Potenzial aber gepaart mit dem ambitionierten Songwriting und der Dynamik, die das Sextett hier aufbaut, ergibt ein wirklich grandioses Artrock-Album wie es sonst nur wenige drauf haben. Die Amerikaner ziehen hier alle dramaturgischen Register und schlagen Wellen, die man sich als so junge Band erstmal trauen muss. Nebenbei verlieren Bent Knee nie Sinn fürs Emotionale und können auch mal ganz normale Tracks schreiben. Eine wahnsinnig abwechslungsreiche Platte, die diesen Musikern noch einige Türen öffnen wird.

Das beste daran: Wenn das unschuldige Titelstück in den Wellenbrecker Way Too Long übergeht und man weiß, dass diese Platte nicht wie jede andere wird.
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17. ANDY STOTT
Faith in Strangers
Modern Love









Viel Düsternis hat dieses Jahr wieder Einzug in die elektronische Musik gehalten. In einem Review sprach ich mal von "apokaliyptisch-mystisch angehauchten" Sounds, und auch Andy Stott hat sich auf seinem neuen Album reichhaltig daran bedient. Mich persönlich erinnern seine Kompositionen auf Faith in Strangers an die Myst-Soundtracks der Neunziger oder meinetwegen auch an Aphex Twin. Dass Stott sich damit zugunsten flächigerer Klänge vom Beat-Gehexel der Vorgänger verabschiedet hat, ist ebenfalls eine Stärke dieser neuen Platte, die durch eben dieses märchenhaft-finstere Ambiente punktet. Lange, tektonische Tracks, denen dieses gewisse, retrofuturistische Flair anhaftet, sind eine neue Stärke des Schotten, die mir bisher vollkommen unbekannt war. Bitte mehr davon!

Das beste daran: Wenn die Frickel-Beats von Violence den flächigen ersten Song abrupt beenden und etwas mehr Action in das geschehen bringen.
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16. THE WORLD IS A BEAUTIFUL PLACE & I AM NO LONGER AFRAID TO DIE
Between Bodies
Broken World








Ich hatte gedacht, dass sich die ganze Emo-Revival-Geschichte spätestens nach dem Sommer erledigt hätte, doch dann kam Anfang Oktober noch diese Platte daher und änderte alles. 28 Minuten Spielzeit reichten Between Bodies, um mich davon zu überzeugen, hier die wirklichen Helden des "neuen" Emorock vor mir zu haben. Und das, obwohl die Platte sich bemüht, in keiner Sekunde zu sehr danach zu klingen. Postrock, Folk und Spoken Word sind hier viel wichtigere Ausgangspunkte und Sänger David Bello macht daraus eher ein Hörbuch als ein richtiges Album. Nur dass es das energischste, harmonischste und spannendste Hörbuch ist, welchem ich dieses Jahr lauschen durfte. Ein seltsames Highlight eines seltsamen Jahres. Und eine Band, die definitiv nicht auf ihre Funktion als Emo-Zugpferd reduziert werden sollte.

Das beste daran: "No one is invincible / no one ist immortal / these are the rules."
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15. LA DISPUTE
Rooms of the House
Better Living









Einer der Gründe, warum Hardcore dieses Jahr so ein schweres Jahr hatte, könnte sein, dass La Dispute jetzt nichts mehr damit zu tun haben wollen. Nach ihrem immer noch schwer verdaulichen Vorgänger Wildlife nehmen sich die vier Nerds aus Michigan hier dermaßen zurück, dass man fast nicht glaubt, hier noch die gleiche Band zu hören. Da pausieren Instrumente über mehrere Songs hinweg und ab und zu reicht sogar mal die akustische Gitarre, um einen Song auszufüllen. Was zum Glück nicht gelitten hat, sind die eindrucksvollen Lyrics von Jordan Dreyer, der hier zwar auch etwas introvertierter, aber keinesfalls weniger emotional schreibt. Und wenn man erstmal damit fertig geworden ist, dass La Dispute sich verändert haben, kann man sich auch damit anfreunden. Nach wie vor eine wahnsinnig talentierte Band.

Das beste daran: Mit Woman (In Mirror) vielleicht der ruhigste Song der Platte.
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14. MILO
A Toothpaste Suburb
Hellfyre Club









Es ist manchmal ganz hilfreich, sich Rapper als Protagonisten in ihrer eigenen Sitcom vorzustellen. Wenn man das auf Milo anwendet, wäre dieser eine Jeffrey-Lebowski-ähnliche Figur mit reichlich Galgenhumor, der in jeder Situation die Ruhe weg hätte. Sein kommerzielles Debüt A Toothpaste Suburbs ist dafür eine ziemlich gute Charakterstudie, in dem sich der MC als philosophisch versierter, spaßiger und lethargischer Geist beweist, der gerne auch mal den Weirdo gibt und HipHop auf seine ganz eigene Art und Weise definiert. Seine Beats haben wie er die Ruhe weg und seine Texte spricht Milo lieber als sie tatsächlich zu rappen. Das ist für einige Leute zu viel Chill-Faktor, für mich ist es das, was das Genre vielleicht braucht. Auf jeden Fall ist es ein spektakuläres Album, das hoffentlich nicht das letzte bliebt.

Das beste daran: "Some of my favorite rap songs are intros", gibt der Künstler hier selbst zu.
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13. ANIMALS AS LEADERS
the Joy of Motion
Sumerian









Viel Zeit lassen Animals As Leaders sich und uns nicht, um hier zu verschnaufen, schließlich gilt es ein komplettes Album mit großartigem Djent-Wahnsinn zu befüllen. Und davon haben sie jede Menge. Hier jagt eine Gitarren-Kaskade die nächste und das auf ganzen zwölf genialen Songs, die alle den Hals nicht voll genug kriegen können. Wer dieses Album hört, müsste danach eigentlich schweißgebadet sein, so hektisch und energiegeladen geht es hier zu. Um es kurz zu sagen: die Band aus Washington D.C. hat sich selbst übertroffen. Zwischen elektronischen Pop-Passagen und polyrhythmischem Djent-Metal ist hier alles dabei, was das Nerd-Herz zum höher schlagen bringt und davon mehr als reichlich. Und da soll noch mal jemand sagen, ich würde keinen Progrock mögen.

Das beste daran: Äh...Alles?!
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12. SHABAZZ PALACES
Lese Majesty
Sub Pop









Neulich habe ich Lese Majesty in einem Plattenladen in der Indie-Sektion gefunden. Und ich finde, so falsch ist diese Zuordnung gar nicht. Denn Shabazz Palaces sind keine gewöhnliche HipHop-Gruppe. Bei ihnen zählt nicht nur, was für eine Message ein Song vermittelt, sondern die Arbeit dahinter. MC und Produzent sind hier gleichberechtigt und wenn man dieses Album hört, ist es in vielerlei Hinsicht ein Produkt von großem handwerklichen Können. Man kann heraushören, wie viel hier experimentiert wurde und dass an jedem Song sehr lange gefeilt wurde, bis dieser fertig war. Das Ergebnis ist ein majestätisches Werk, das die Grenzen des durchschnittlichen HipHop sprengt und dadurch eine Band präsentiert, die zu den momentan besten im Genre gehört.

Das beste daran: die Massive-Attack-artigen Vocals in Noetic Noiromantics.
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11. BIG UPS
Eighteen Hours of Static
Tough Love









Zappelige Indie-Noise-Punk-Alben sind in den letzten Jahren weiß Gott keine Mangelware gewesen, was also macht dieses hier so besonders? Erstens: Die Big Ups verstehen, was Punk ist. Zumindest gut genug, um sich bewusst davon zu distanzieren. Zweitens: Die Big Ups verstehen, was Indierock ist. Und drehen dabei ihre Verstärker so laut, dass dabei Noise rauskommt. Drittens: Joe Galarraga kann Texte schreiben. Die verbinden hier Punk-Energie und intellektuellen Anspruch so, dass man den Amerikanern weder die Rüpel-Teens noch die Hipster-Studenten abnimmt, sondern sich fragt, wo diese Band eigentlich hingehört. Bei mir gehört sie erstmal auf Platz Nummero elf und ist damit offiziell das beste Hardcore-Album des Jahres.

Das beste daran: "Everybody says it's getting better all the time but it's bad!"
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10. YOUNG FATHERS
Dead
Big Dada









Ich hatte seinerzeit weder Tape One noch Tape Two in einer Bestenliste, wieso jetzt also dieses Album? Weil ich finde, dass Young Fathers hier endgültig einen Reifeprozess abgeschlossen haben und bereit sind, zu wachsen. Als HipHop-Act, als Popstars und als Songwriter. Dead ist das Dokument einer Band, die sich weiterentwickelt hat. Das bedeutet hier: Auch ruhigere Songs. Auch zuhören müssen. Auch Geduld haben. Die Schotten geben ihren Songs mehr Platz und lassen sie atmen, mit einem optimalen Ergebnis. Ihr Debüt ist der nächstgrößere Schritt, den sie jetzt machen mussten. Und es funktioniert als fokussierte Rap-Platte genau so wie als zarter R'n'B und versierter Indiepop. Man muss sich nur darauf einlassen. Wer es tut, bekommt eines der größten Black-Music-Alben des Jahres.

Das beste daran: Wie Young Fathers hier Backing-Vocals einsetzen. Sehr vorbildlich.
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9. TINY ISLES
the Long Seasoned Sleep
Koen Music









Tauwetter-Ambient. Mit keinem Wort kann man die Wirkung dieses Albums besser beschreiben, als ich es Anfang März das erste Mal hörte. Eine so sonnige Platte wie diese habe ich das ganze Jahr danach nicht mehr gehört. Wenn man die Songs der Japaner hört, muss man an Schnee denken, der langsam schmilzt und Vogelzwitschern in kahlen Bäumen. Leute mit weniger Fantasie können auch einfach mal einen Blick auf das Cover werfen, um für diese Musik in Stimmung zu kommen. Tiny Isles machen zwar eindeutig Ambient-Songs, diese verneigen sich jedoch tief vor warmen Pop-Klängen. Beweise sind das mit Gesang bestückte Berry-Bugs Fumble oder With Thanks, Petal, dass von einer bezaubernden Akustikgitarre begleitet wird. Die Oberhand hat auf the Long Seasoned Sleep jedoch die Atmosphäre, die alles und jeden in ihren Bann zieht. Chillout vorprogrammiert!

Das beste daran: die schummrigen Vocals in Berry-Bugs Fumble.
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8. ARCH GARRISON
I Will Be A Pilgrim
the Household Mark









Soll man es nun Folk nennen, Pop oder Neo-Klassik? Was Craig Fortnam hier anstellt, entzieht sich ein Stück weit einer Beschreibung. Eigentlich spielt der Brite hier Renaissance-Gitarre, die an sich ziemlich bieder klingen würde, hätte er sie nicht mit großartigem Gesang und elektronischen Elementen aufgepeppt, die I Will Be A Pilgrim am Ende zu einer ziemlich poppigen Nummer machen. Doch nicht Kitsch, sondern echte Romantik ist der Motor dieser Songs, die fast alle davon handeln, als Vagabund durch die Wildnis zu streifen und so tun, als wären damit alle Probleme gelöst. Und dann erwischt man sich schon mal dabei, wie man Fortnam das alles abkauft und auch ein bisschen Fernweh bekommt. Eine Platte für den Träumer in uns, von der man so leicht nicht mehr loskommt.

Das beste daran: Wie toll Craig Fortnam Gitarre spielen kann.
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7. TOM VEK
Luck
Moshi Moshi









Als der schüchterne Brite 2011 sein ziemlich kauziges Debüt veröffentlichte, wer hätte da gedacht, dass sich der Junge mal so machen würde. Drei Jahre später ist aus dem Sound-Tüftler und heimlichen Britpop-Fan zum ernstzunehmenden Songwriter geworden und bastelt mal eben das größte Pop-Album der letzten zwölf Monate. Den Nerd-Faktor hat er sich hier ziemlich gut verkniffen und stattdessen die eingängisten Melodien geschrieben, die ich seit langem gehört habe. Natürlich komplett im Alleingang. Da fragt man sich dann schon, warum Vek dann immer noch als Geheimtipp unter versierten Musikfans gilt und nicht schon längst das Eis gebrochen hat wie Kollege Ty Segall. Denn so wie es aussieht, ist Luck sein künstlerischer Höhepunkt und er selbst in der Form seines Lebens. Aber um mehr zu erreichen, braucht man eben auch eine Menge Glück. Oh, welch böse Ironie.

Das beste daran: The Girl You Wouldn't Leave for Any Other Girl, der Lovesong des Jahres.
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6. ALVVAYS
Alvvays
Transgressive









Es ist schon ein bisschen dreist, dass ein an sich vollkommen unspektakuläres Album hier einen sechsten Platz abbekommt und einige Leute werden deswegen stinkig sein. Warum also ist sie hier, diese Surf-Pop-Platte, die man so schon ganz ähnlich von Beach House oder Mac DeMarco gehört hat? Ganz einfach: Sie ist besser als all diese Platten. Alvvays haben einfach all die Dinge gehalbt, die all den anderen Bands irgendwie gefehlt haben. Sie haben eine großartige Sängerin, die alle Facetten des gelangweilten Singens beherrscht, können mit Gitarren und Synthesizern gleichermaßen umgehen, schreiben tolle Texte und trauen sich auch mal, melancholisch zu werden. Heraus kommt ein absolut fehlerfreies Debüt, dass sicherlich jetzt schon zu meinen liebsten Surfpop-Alben zählt.

Das beste daran: Der herzzerreißende Refrain von Archie, Marry Me.
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5. TIMBER TIMBRE
Hot Dreams
Full Time Hobby









Bei Timber Timbre musste man schon immer irgendwie an schmierige Film-Noir-Bösewichte denken, die trotz ihrer düsteren Aura einen gewissen Charme versprühten. Mit Hot Dreams werden sie diesen Vergleich so schnell nicht mehr los, denn die Songs hier klingen nach mintfarbenen Cadillacs, Marlboro-Zigaretten und Vodka Martini. Die Kanadier baden hier so tief im Fünfziger-Americana und -Jazz, dass man sich am liebsten einen alten John-Wayne-Streifen dazu ansehen will. Die Gitarren klimpern überall, das Saxofon streichelt die Tracks ganz sanft und Taylor Kirk zieht den Hörer mit seiner sonoren Johnny-Cash-Stimme langsam aus. Hot Dreams ist meiner Meinung nach ein Album, bei dem Widerstand zwecklos ist, weil einfach alles hier stimmt und perfekt in Szene gesetzt ist. Da wird sogar Quentin Tarantino neidisch.

Das beste daran: Der Titelsong braucht das Saxofon-Solo und kriegt das beste, das man dieses Jahr gehört hat.
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4. DAVID ANDREE & JOSH MASON
Call, Response
Own Records









Den Sommer-Ambient hatten wir schon, jetzt kommt das ultimative Winter-Album dieses Jahres. Die zwei Stillen Geister David Andree und Josh Mason arbeiteten lange an zwei verschiedenen Seiten des Atlantiks an diesem Album und fädelten Stück für Stück Soundbausteine zusammen. Das Ergebnis sind sechs Tracks, die klingen wie aus einem Guss und von denen man nicht denkt, dass sie quasi per Post zusammengesetzt wurden. Call, Response ist ein organisches Meisterwerk, das in mühevoller Kleinarbeit entstand aber wahnsinnig spontan und einfach klingt. Und wieder braucht es nicht viel Fantasie, um Bilder entstehen zu lassen, die von der Musik durch die knappe Stunde getragen werden. Faszination Ambient, hier in der besten Form des Jahres.

Das beste daran: Diese Platte hat seit 364 Tagen nicht die Top 5 verlassen. Rekord.
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3. BRONTIDE
Artery
Holy Roar









Wer sich erinnert, im letzten Jahr stand an dieser Stelle Sunbather von Deafheaven. Und was diese Platte für den Metal getan hat, tut Artery für die gesamte Rockmusik. Zumindest wenn man mich fragt. So frisch, dynamisch und modern hat seit langem kein Gitarrenalbum mehr geklungen und dabei gleichzeitig Pop, Indie, Postrock, Electronica und Metal vereint. Die drei Briten sind nicht nur versierte Songwriter, sondern verstehen es auch, Spannung auf- und wieder abzubauen, einen einmaligen Sound zu finden und sich die tighteste Produktion des Jahres auf Platte zu packen. Nur mit der Anerkennung klappt es dabei noch nicht so ganz. Für mich aber die lange überfällige Modernisierung eines ganzes Genres. Tausend Dank.

Das beste daran: Wenn Knives sich im zweiten Teil mit Heavy Metal austobt.
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2. WILLIAM RYAN FRITCH
Leave Me Like You Found Me
Lost Tribe Sound









Glückstreffer der Jahres! Ich bin der festen Überzeugung, dass ich mit William Ryan Fritch ein echtes Wunderkind entdeckt habe. Schon mit so jungen Jahren solch große Songs zu schreiben und dabei gleichzeitig eine so einzigartige Handschrift zu entwickeln, ist alles andere als alltäglich. Zwischen Folk, Postrock, Ambient und Klassik komponiert Fritch Tracks, die so groß sind wie ganze Sinfonien und trotzdem so detailliert, dass man immer neue kleine Spielereien darin findet. Und Leave Me Like You Found Me ist nur der Höhepunkt einer Vielzahl von Veröffentlichungen, die dieses Jahr unter seinem Namen erschienen. Ich bin mir sicher, dass wir in den nächsten Jahren noch eine Menge von diesem Jungen erwarten können. Und ich kann nur hoffen, dass dann die ganze Welt von ihm hört.

Das beste daran: Was man alles entdeckt, wenn man mal genau hinhört.
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1. DAMIEN JURADO
Brothers and Sisters of the Eternal Son
Secretly Canadian














Wenn man auf die letzten zwölf Monate zurückblickt, die ja nun weiß Gott nicht ereignisarm waren, dann ist es erstaunlich, dass es davon nur drei Wochen gab, in denen Brothers and Sisters of the Eternal Son nicht mein Lieblingsalbum 2014 war. Wie ein steinernes Monument stand diese Platte ganz an der Spitze der Top 30 und bewegte sich nicht vom Fleck. Und warum auch? Dieses Überalbum von Damien Jurado bietet absolut alles, wonach man auf einem Album sucht. Nicht umsonst habe ich nicht gezögert, hier gleich zu Anfang des Jahres elf Punkte zu vergeben. Hier gibt es großartige Melodien, intelligente Texte, zarte akustische Momente und große Prog-Nummern. Im Grunde macht Jurado zwar immer noch eine Songwriter-Platte, die aber mit so vielen Facetten aus Jazz, Psychedelic Rock, Folk und lateinamerikanischer Musik spielt, dass jeder Song einen erneut mitreißt. Eine großartige Arbeit, die dieses Jahr unübertroffen blieb. Vielleicht ein konservativer Platz Eins, aber einer, der von Herzen kommt.

Das beste daran: Wenn Silver Timothy nach dem Refrain komplett in psychedelisches Gewaber umkippt.

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